Eine gewisse Unruhe, Anspannung und vielleicht auch Skepsis gehören dazu, wenn die Auszubildenden des 1. Lehrjahres der Evang. Berufsfachschule für Sozialwesen Löbau in die Zirkusprojektwoche starten. Doch diese Gefühle gehören heute ganz gewiss der Vergangenheit an. Nach fünf intensiven Tagen der Begegnung mit Menschen mit Behinderung, dem Einstudieren eines Zirkusprogramms und des Zusammenlebens am Dorfrand von Großhennersdorf – da, wo sich "Fuchs und Haase gute Nacht sagen" – überwiegen Stolz, Freude, (Aus-)Gelassenheit und (nicht zu vergessen) Müdigkeit.
Der erste Tag gehört gewöhnlich dem Kennenlernen: Auszubildende, Bewohnerinnen und Bewohner aus dem Katharinenhof Großhennersdorf begegnen sich, lernen Stärken, Schwächen und Eigenheiten kennen. Manche Herausforderung ist zu meistern, denn auf fremde Menschen mit unbekannten Gewohnheiten muss man sich einlassen und ganz neu einstellen.
An den Tagen zwei und drei sind die Proben der Schwerpunkt. Was kann aufgeführt werden, wie sind die Abläufe, was kann wie in Szene gesetzt werden. Hier spielt Geschichtenschnitzer und Zirkuspädagoge Swen Kaatz eine führende Rolle. Zum guten Auftritt gehört schließlich nicht nur die künstlerische Darbietung, sondern vielmehr die Interaktion mit dem Publikum. Die Künstler sollen strahlen, so wie es das Thema der Woche vorgibt. Die ersten "Bühnenauftritte" sind eher zaghaft, das Lächeln, die lockeren Bewegungen müssen geübt und Scheu abgelegt werden. Ich erlebe dabei Naturtalente, die sich selbstsicher und mit Freude bewegen. Und ich entdecke Zurückhaltung, aber Fürsorge und Zuwendung zu den behinderten Männern und Frauen, die beim Auftritt im Mittelpunkt stehen werden.
Tag vier verlangt allen Beteiligten viel ab: letzte Proben stehen an, die Abläufe und Musik müssen jetzt passen, die Bühne muss aufgebaut, der Saal vorbereitet werden, denn am Nachmittag stehen zwei Vorstellungen an. Wird alles klappen? Schön, zu erleben, wenn die Zuschauer aus den Wohneinrichtungen des Katharinehofs dem Spiel auf der Bühne mit Freude und Applaus folgen. Kleine Pannen werden kunstvoll überspielt, jeder wächst mehr und mehr in seine Rolle hinein.
Nun sind sie Profis, die Künsterinnen und Künstler auf der Bühne. Am fünften Tag lese ich viel Gelassenheit in den Gesichtern und die letzte Aufführung läuft wie am Schnürchen. "Hier darfst du strahlen!" ist nicht nur ein Slogan, sondern live zu erleben auf der Bühne und im Publikum gleichermaßen. Heute sitzen noch einmal Bewohnerinnen und Bewohner aus dem Katharinenhof in den Stuhlreihen, sowie Schülerinnen und Schüler aus den Förderschulen Großhennersdorf und Löbau und Klientinnen und Klienten aus dem FBB Großhennersdorf.
Alle Anspannung fällt ab, wenn der letzte Vorhang fällt.
Danke an Organisatoren, Pädagogen und an alle Schülerinnen und Schüler, Bewohnerinnen und Bewohner, dass ihr euch auf dieses ZIrkusprojekt eingelassen habt. Ihr habt viele Menschen zum Strahlen gebracht.






